Reformationstag 2018

Nachricht Markuskirche, 31. Oktober 2018

Gottesdienst, Vortrag und Gespräch

Reformationstag 31.10.2018

10.30 Uhr Gottesdienst zum Reformationstag, im Anschluss gegen 11 Uhr c.t.: „Sein Blut komme über uns…“ Zum Umgang mit dem Antijudaismus im Neuen Testament. Vortrag und Gespräch.
Unter dem Eindruck der Diskussionen um den Reformationstag haben wir biblische Texte auf dem Hintergrund des jüdisch-christlichen Verhältnisses bedacht. Eine Zusammenfassung der Beiträge finden Sie über den Link auf der rechten Seite.

"Was Christum treibet..." Die Predigt zum Reformationstag 2018 finden Sie hier

Aus der Begrüßung von Pastor Bertram Sauppe:

Erlauben Sie mir zuerst eine kurze Erklärung dazu, wie wir zur Gestalt des heutigen Vormittags gefunden haben. Im Vorfeld der Entscheidung für den Reformationsfeiertag gab es heftige Diskussionen. Man könne nicht Martin Luther feiern, der doch in seinem Alter so furchtbare Schriften gegen die Juden verfasst hat.

Darüber wollten wir nicht hinweg gehen und hatten uns ursprünglich vorgenommen, an diesem Vormittag eben über Martin Luthers Anti-Judaismus ins Gespräch zu kommen. Im Nachdenken darüber sind wir allerdings dann einen Schritt weiter gegangen. Unter dem Motto der Reformation „zurück zu den Quellen!“ ad fontes möchten wir uns heute Vormittag mit antijudaistischen Texten des Neuen Testaments auseinandersetzen. Denn das Übel des Anti-Judaismus hat ja seinen Ursprung nicht in der Reformation, es liegt viel tiefer, erschreckend tiefer. Der christliche Anti-Judaismus hat seine Wurzeln bereits im Neuen Testament.

Damit wollen wir uns auseinandersetzen. Wir werden dies mit dem Maßstab tun, der auf Martin Luther zurückgeht: dem Maßstab nämlich, dass jede Bibelstelle sich daran zu messen hat, was „Christum treibet“. Der kritische Umgang auch mit unserer Heiligen Schrift ist keine alleinige Errungenschaft der Aufklärung und Neuzeit, sie ist bereits in der Reformation angelegt und ich füge hinzu: im Grunde genommen ist es die Bibel selbst, die in ihrer Vielfalt dazu ermutigt, ihre Texte kritisch zu lesen.

Wir machen uns damit bewusst, dass die fundamentalistische Engführung, jedes Wort der Bibel sei von Gott unmittelbar dem Autor sozusagen in die Hand diktiert, weder dem reformatorischen Bekenntnis noch überhaupt dem Geist der Bibel entspricht.

So wenden wir uns also heute am Reformationstag, wie überhaupt auch an allen anderen Tagen, den Texten der Bibel mit kritischem Blick zu, mit einem Blick, der danach sucht, was „Christum treibet“.